Wie berechnet man den Maximum Drawdown? Der vollständige Leitfaden mit Beispielen

Einleitung

Im vorherigen Artikel haben wir erklärt, warum der Maximum Drawdown zu den wichtigsten Risikokennzahlen bei der Bewertung einer Sportwettenstrategie gehört.

Während der ROI (Return on Investment) die Rentabilität einer Strategie misst, zeigt der Maximum Drawdown etwas ebenso Entscheidendes: den größten vorübergehenden Kapitalrückgang, den ein Investor hinnehmen musste, bevor ein neues Allzeithoch erreicht wurde.

Wer Sportwetten als langfristige Investition betrachtet, sollte diese Kennzahl unbedingt verstehen.

Die gute Nachricht ist, dass sich der Maximum Drawdown relativ einfach berechnen lässt.

Entscheidend ist jedoch, die richtigen Werte zu verwenden, das Ergebnis korrekt zu interpretieren und typische Fehler zu vermeiden.

In diesem Leitfaden zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie der Maximum Drawdown berechnet wird – inklusive praxisnaher Beispiele.


Das Grundprinzip der Berechnung

Die Berechnung folgt immer derselben Logik.

  1. Den höchsten Stand der Bankroll bestimmen.
  2. Den tiefsten Punkt finden, der auf dieses Hoch folgt.
  3. Den Rückgang zwischen beiden Punkten berechnen.
  4. Warten, bis ein neues Hoch erreicht wird.
  5. Den größten aller Rückgänge als Maximum Drawdown festhalten.

Der Maximum Drawdown entspricht also immer dem größten Verlust zwischen einem Hochpunkt und dem darauffolgenden Tiefpunkt.

Im Gegensatz zum ROI bewertet er nicht die Rendite, sondern das Risiko einer Strategie.


Die Formel des Maximum Drawdowns

Die Berechnung ist einfach.

Maximum Drawdown (%)


Die Formel des Maximum Drawdowns


Beispiel:

Hochpunkt:

145 Einheiten

Tiefpunkt:

127 Einheiten

Berechnung:



Der Maximum Drawdown beträgt somit 12,41 %.


Beispiel 1: Eine einfache Bankroll

Betrachten wir folgende Entwicklung.



Die Bankroll erreicht zunächst 118 Einheiten.

Anschließend fällt sie auf 107 Einheiten, bevor sie mit 120 Einheiten ein neues Hoch erreicht.

Berechnung:

(118 − 107) ÷ 118 = 9,32 %

Der Maximum Drawdown dieser Phase beträgt also 9,32 %.

Mit dem neuen Höchststand beginnt automatisch eine neue Berechnungsperiode.


Beispiel 2: Mehrere Drawdowns

Nun betrachten wir einen längeren Verlauf.




Dabei entstehen drei verschiedene Drawdowns.




Obwohl mehrere Rückgänge auftreten, zählt ausschließlich der größte.

Der Maximum Drawdown beträgt daher 12,00 %.


Sollte der Maximum Drawdown in Einheiten oder Prozent angegeben werden?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten.

  • In Einheiten (z. B. −18 Einheiten)
  • In Prozent (z. B. −12,4 %)

Professionelle Investoren bevorzugen nahezu immer die Prozentangabe.

Der Grund ist einfach.

Eine Verlustserie von 20 Einheiten hat bei einer Bankroll von 100 Einheiten eine völlig andere Bedeutung als bei einer Bankroll von 5.000 Einheiten.

Prozentwerte ermöglichen daher einen objektiven Vergleich unterschiedlicher Strategien.


Die häufigsten Fehler

Drawdown mit einer Verlustserie verwechseln

Eine Strategie kann zehn Wetten in Folge verlieren, ohne ihren größten Drawdown zu erreichen.

Entscheidend ist nicht die Anzahl der verlorenen Wetten, sondern deren Einfluss auf die Bankroll.


Vom Startkapital aus rechnen

Ein häufiger Fehler besteht darin, den Drawdown vom ursprünglichen Startkapital zu berechnen.

Das ist falsch.

Der Maximum Drawdown wird immer zwischen einem historischen Höchststand und dem darauffolgenden Tiefpunkt gemessen.


Neue Höchststände ignorieren

Sobald die Bankroll ein neues Allzeithoch erreicht, beginnt die Berechnung von vorne.

Jeder neue Höchststand bildet die Grundlage für den nächsten Drawdown.


Nur verlorene Wetten betrachten

Der Drawdown basiert auf der gesamten Entwicklung der Bankroll.

Auch gewonnene Wetten können einen bestehenden Drawdown reduzieren, ohne bereits ein neues Hoch zu erzeugen.


Kann der Maximum Drawdown automatisch berechnet werden?

Ja.

Die meisten professionellen Analyseprogramme berechnen den Maximum Drawdown automatisch.

Auf Bet2invest wird diese Kennzahl direkt aus der vollständigen Wett-Historie eines Tipsters berechnet.

Dadurch können Investoren Strategien nicht nur nach ihrer Rendite, sondern auch nach ihrem historischen Risiko vergleichen.


Warum ist diese Kennzahl so wichtig?

Der Maximum Drawdown beantwortet eine der wichtigsten Fragen überhaupt:

Wie hoch war der schlimmste zwischenzeitliche Kapitalverlust dieser Strategie?

Diese Information ist häufig aussagekräftiger als der reine Gesamtgewinn.

Vergleichen wir zwei Strategien.

  • Strategie A erzielt +400 Einheiten Gewinn, weist jedoch regelmäßig Drawdowns von 150 Einheiten auf.
  • Strategie B erzielt +350 Einheiten Gewinn, der größte Drawdown beträgt jedoch lediglich 40 Einheiten.

Viele Investoren würden Strategie B bevorzugen, weil sie einen wesentlich gleichmäßigeren Verlauf bietet.

Langfristig ist eine stabile Rendite häufig wertvoller als maximale Gewinne bei gleichzeitig hohen Risiken.


Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Der Maximum Drawdown misst den größten Kapitalrückgang zwischen einem Höchststand und dem darauffolgenden Tiefpunkt.
  • Er wird meist in Prozent angegeben.
  • Er ermöglicht einen objektiven Vergleich verschiedener Strategien.
  • Er darf nicht mit einer Verlustserie verwechselt werden.
  • Er gehört zu den wichtigsten Risikokennzahlen im professionellen Investment- und Sportwettenbereich.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Gibt es verschiedene Methoden zur Berechnung des Maximum Drawdowns?

Die Definition ist immer gleich. Unterschiede entstehen lediglich dadurch, dass manche Programme die Berechnung auf Wettbasis, täglich, wöchentlich oder monatlich durchführen.


Sollte der Maximum Drawdown in Prozent oder in Einheiten angegeben werden?

Beides ist möglich. Für den Vergleich verschiedener Strategien sind Prozentwerte jedoch deutlich aussagekräftiger.


Kann eine Strategie mehrere Drawdowns haben?

Ja. Jede Strategie durchläuft im Laufe der Zeit mehrere Drawdowns. Der Maximum Drawdown ist lediglich der größte davon.


Warum achten professionelle Investoren stärker auf den Maximum Drawdown als auf Verlustserien?

Weil der Maximum Drawdown den tatsächlichen finanziellen Schaden für die Bankroll misst und damit das reale Risiko einer Strategie deutlich besser widerspiegelt.


Fazit

Den Maximum Drawdown zu berechnen ist deutlich einfacher, als viele Wettende zunächst vermuten.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Kennzahl richtig zu interpretieren.

Eine hohe Rendite allein reicht nicht aus.

Erst wenn man versteht, welche zwischenzeitlichen Verluste notwendig waren, um diese Rendite zu erzielen, lässt sich die Qualität einer Strategie wirklich beurteilen.

Im nächsten Artikel zeigen wir, warum zwei Strategien mit identischem ROI völlig unterschiedliche Risikoprofile aufweisen können und weshalb der Maximum Drawdown bei der Bewertung langfristiger Sportwettenstrategien häufig aussagekräftiger ist als der ROI selbst.

Donnerstag, 23. Juli 2026

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